Im Mai habe ich eine Anfrage zum Ausbeuterisches Anstellungsmodell bei Niedrigpreis-Fluggesellschaften („Pay to Fly“) gestellt:
Eine von der Europäischen Kommission finanzierte Studie zu atypischen Arbeitsbedingungen im Luftfahrtsektor (VS/2013/0346) legt neben der weitverbreiteten Scheinselbstständigkeit die Existenz sogenannter „Pay to Fly“ Modelle offen. Bei diesem Anstellungsmodell werden den jungen Piloten die nach Erlangung ihrer Lizenz benötigten Flugstunden, um Flugerfahrung (z. B. auf einem Flugzeugtyp) zu bekommen, gegen Bezahlung angeboten. Die dabei entstehenden Kosten belaufen sich für den Piloten auf bis zu 60 000 Euro und treiben diese damit bereits zu Berufsbeginn in die Verschuldung. Daraus ergibt sich ein potentielles Risiko für die Flugsicherheit: Piloten werden unter dem finanziellen Druck dazu getrieben, einen Flug anzutreten, auch wenn dies der gesundheitlichen Zustand nicht gebietet. Darüber hinaus führt diese Praxis zu einer weiteren Arbeitsmarksegmentierung zwischen jungen, sozial schlecht abgesicherten Piloten ohne festes Anstellungsverhältnis und älteren, erfahrenen Kollegen.
1. Ist die Kommission über die Existenz der „Pay to Fly“ Praxis bei europäischen Fluggesellschaften informiert?
2. Teilt die Kommission die Einschätzung, dass dieses Anstellungsmodell ein Risiko für die Flugsicherheit darstellt?
3. Wird die Kommission gegen Fluggesellschaften vorgehen, die dieses ausbeuterische Anstellungsmodell anbieten, und die Ausbildungspraktiken im Luftfahrtsektor überprüfen?
Antwort von Frau Bulc im Namen der Kommission (10.7.2015)
1. Die Kommission wurde kürzlich von Pilotenorganisationen über die „pay-to-fly“-Systeme einiger europäischer Luftfahrtunternehmen informiert. Die Kommissionsdienststellen prüfen derzeit diese Angelegenheit.
2. Der Kommission liegen bislang keine konkreten Anhaltspunkte zu den Auswirkungen dieses Beschäftigungsmodells auf die Sicherheit vor.
3. Auf der Grundlage der gesammelten Informationen und Daten werden Art und Umfang dieser Praxis bewertet und der Bedarf an gezielten Maßnahmen auf der geeigneten Ebene erörtert.